Wände für die Wende – Sparkassen-Blog

Wände für die Wende – Sparkassen-Blog

 

Bezahlbarer Wohnraum ist in Deutschland Mangelware – und auch die Region Hannover bildet da keine Ausnahme. Während die Baukosten steigen und herkömmliche Bauprozesse oft langwierig und teuer sind, setzt Eckhard Struß, Vorsitzender des Bundesverbandes Integrales Bauen e.V. und der nobis living AG, auf eine innovative Lösung. Mit einer eigens entwickelten Technik stellt er nachhaltige und energieeffiziente Wohnungen in Rekordzeit her. Unterstützung erhält er dabei vom BinBau-Mitglied Timo Mertesacker, CEO der Mertesacker Family Office GmbH, sowie der Sparkasse Hannover. Gemeinsam treiben sie eine Bauweise voran, die den Wohnungsmarkt revolutionieren könnte. Doch wie funktioniert diese Technik genau, und welche Rolle spielt der sogenannte „Wandmodultoaster“ dabei? Ein Blick auf ein Unternehmen, das die Baubranche verändern will.

 

 

Deutschlandweit mangelt es an bezahlbaren Neubauwohnungen – auch in der Region Hannover. Ein Bauingenieur aus Hemmingen baut mit einer innovativen Fertigungstechnik hochwertige, nachhaltige Wohnungen im Schnelldurchlauf. Mit an Bord: das Family Office von Ex-Nationalspieler Per Mertesacker und die Sparkasse Hannover.

Da stehen sie nun oben auf einem garagengroßen Ungetüm aus Metall: Timo Mertesacker und Eckhard Struß, der sich dieses besondere Gerät ausgedacht hat. Der Name ist Programm: Der „Wandmodultoaster“ hat zehn Schlitze für Wände, in die Beton gegossen wird – durch die Metalleinheiten dazwischen läuft warmes Wasser. Damit kann auch bei Frost gearbeitet werden, direkt auf der Baustelle. Dank der Technik kann Struß Mehrfamilienhäuser bauen, mit dem hohen Energiestandard KfW-40, in kurzer Zeit, zu geringeren Kosten – und mit einem Team von insgesamt nur acht Leuten.

Struß geht mit seiner Innovation die zentrale Herausforderung der Wohnungswirtschaft und eines der wichtigsten gesellschaftlichen Probleme an: schnell bezahlbaren Wohnraum in großen Mengen schaffen. Während etwa die Automobilindustrie ihre Produktivität in den vergangenen 30 Jahren praktisch verdoppelt hat, hat sie auf dem Bau stagniert. Ein Quadratmeter neugebauter Wohnraum in Hannover kostet heute nach Angaben des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen durchschnittlich fast 5.000 Euro pro Quadratmeter – Trend steigend. Und vom Ziel der Bundesregierung, pro Jahr 400.000 neue Wohnungen zu bauen, ist man in ganz Deutschland meilenweit entfernt. Mit der seriellen Fertigung soll sich das ändern.

Und hier kommt der Name Mertesacker ins Spiel: Per Mertesacker hat es aus Pattensen in die große Fußballwelt geschafft, ist als TV-Experte geschätzt und leitet im Hauptjob die Nachwuchsakademie die FC Arsenal in London. Sein Bruder Timo kümmert sich als CEO des Mertesacker Family Office (siehe Kasten) um die Entwicklung des Vermögens der Fußball-Ikone, mit einem unternehmerischen Schwerpunkt auf nachhaltigen Projekten und viel Verbundenheit zur Heimatregion.

Beton-Bauteile aus dem Toaster

Ein zentrales Thema ist der Bau von bezahlbarem, energetisch hochwertigem Wohnraum. Dafür hat sich Mertesacker mit Eckhard Struß zusammengetan und das gemeinsame Unternehmen Sturm & Drang gegründet. Den Wandmodultoaster, der dabei eine wichtige Rolle spielt, hat der Bauingenieur 2016 erfunden. Damals wollte Struß Wohnungen hochziehen, wo zuvor ein Supermarkt gestanden hatte. Doch die Fertigteilfabrik konnte nicht liefern. Das Projekt stand plötzlich auf der Kippe. „Ich bin niemand, der den Kopf in den Sand steckt“, sagt Struß. „Also habe einfach meine eigenen Wände gemacht“, erzählt der Bauingenieur. Er tüftelte ein paar Monate und hat dann mit seinem Unternehmen nobis Living aus Hemmingen das erste mobile Fertigteilwerk entwickelt. Drei Toaster sind aktuell im Einsatz, zwei weitere werden gerade gebaut. Insgesamt 520 Wohnungen hat Struß damit schon errichtet, darunter ein großes Studierendenwohnheim in Hildesheim.

CEO Timo Mertesacker (links) mit dem Firmenkundenberater der Sparkasse Hannover Lars Schröder

Die Sparkasse Hannover ist seit vielen Jahren Hausbank der Familie Mertesacker, des Family Office und der Per Mertesacker Stiftung, Eckhard Struß vertraut ebenfalls auf die Expertise der Sparkasse – und auch beim Gemeinschaftsunternehmen Sturm & Drang ist sie dabei. Im Hemminger Ortsteil Arnum baut die Firma im Tal der Büffel – der Landstrich heißt tatsächlich so – zehn Reihenhäuser mit je drei Wohneinheiten, mit einem Volumen von 7 Millionen Euro. Die Kaltmiete wird um die 13 Euro pro Quadratmeter betragen.

Einen Großteil des Projekts finanziert die Sparkasse Hannover, daneben kommen Förderdarlehen der KfW zum Einsatz, bei deren Vermittlung Großkundenbetreuer Lars Schröder unterstützt hat. Die Sparkasse Hannover setzt seit langem auf die Finanzierung von nachhaltigen Projekten, doch beim Thema serielles Bauern musste sich auch Lars Schröder erst einmal reinarbeiten und die Kollegen überzeugen, bis die Finanzierung stand.  „Wir haben hier Immobilien mit Energieüberschuss und einer monatlichen Pauschale für Nebenkosten inklusive Strom und Wärme, das konnten wir in unseren Finanzierungsprogrammen gar nicht berechnen“, sagt der Berater aus dem UnternehmenskundenCenter der Sparkasse Hannover. Dass am Ende alles reibungslos funktioniert hat, schreibt Timo Mertesacker vor allem Lars Schröder zu: „Er geht den extra Meter – und schafft es immer auch, wie ein Unternehmer zu denken.“

Jede Menge Grundstücksangebote

Beim Besuch im Tal der Büffel Ende September wird gerade die Baugrube ausgehoben, auf dem Gelände von Struß‘ Unternehmen warten schon die getoasteten Wände, 60 Prozent des Betons besteht aus Recyclingmaterial, das beim Abriss des Postscheckamt in Hannovers City angefallen ist. In einem Jahr soll alles einzugsfertig sein. Sturm & Drang könnte schneller wachsen als es der Firmenname nahelegt. „Es ist verrückt: Wir kriegen von allen Seiten Grundstücke angeboten, keiner will mehr bauen“, sagt Timo Mertesacker. „Weil es für sie zu teuer ist – und sie lieber nach Förderung rufen, als Innovation zu nutzen“, sagt Eckhard Struß.

Die Firma könnte also bauen ohne Ende. Doch Sturm & Drang will erst einmal mit dem Projekt in Arnum zeigen, was möglich ist und organisch wachsen. Zwei weitere Projekte mit insgesamt 60 Wohnungen sind aktuell in Planung. Tüftler Struß kann sich zudem gut vorstellen, neben den eigenen Projekten andere Bauunternehmen zu beraten und Wandmodultoaster zu verkaufen. „Wir haben ein Riesenproblem mit fehlendem Wohnraum – da müssen alle aktiv werden,“ sagt er.

 

Quelle: Wände für die Wende – Der Blog der Sparkasse Hannover
Text: Gerd Schild
Fotos: Helge Krückeberg

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