von mjausch | März 16, 2026 | Mitgliederbeiträge |
Mit der Reform des Baugesetzbuchs und der Einführung des sogenannten „Bauturbos“ hat der Bund im Herbst 2025 ein Instrument geschaffen, das den Wohnungsbau deutlich beschleunigen soll. Ziel der Regelung ist es, Kommunen mehr Handlungsspielraum zu geben, um Wohnbauprojekte schneller zu genehmigen und zusätzliche Wohnungen zu schaffen.
Der Bauturbo ermöglicht es Städten und Gemeinden unter anderem, von bestehenden Bebauungsplänen abzuweichen oder in bestimmten Fällen ganz auf deren Änderung zu verzichten. Dadurch können Projekte schneller genehmigt werden und langwierige Planungsverfahren entfallen.
Diese Flexibilisierung ist dringend notwendig: In Deutschland fehlen weiterhin hunderttausende Wohnungen. Gleichzeitig dauern Planungs- und Genehmigungsverfahren oft viele Jahre.
Wie stark wird der Bauturbo bisher genutzt?
Obwohl das Instrument erst seit 30. Oktober 2025 in Kraft ist und bis 2030 befristet gilt, zeigt sich bereits ein gemischtes Bild. Viele Kommunen prüfen derzeit noch, ob und wie sie die neuen Regelungen anwenden.
Studien und erste Befragungen zeigen:
– In einer Untersuchung mit mehreren deutschen Städten (u. a. Hannover, Dortmund, Leipzig und Wiesbaden) äußerten viele Verwaltungen deutliche Zurückhaltung gegenüber einer schnellen Anwendung.
– Planungsämter sehen zwar Reformbedarf, warnen jedoch vor rechtlichen Unsicherheiten und offenen Fragen bei der Umsetzung.
– Bundesweit befinden sich zahlreiche Kommunen noch in der Prüf- oder Vorbereitungsphase, während nur ein kleiner Teil bereits konkrete Grundsatzbeschlüsse vorbereitet.
Ein aktuelles Beispiel ist Dresden, wo derzeit ein Grundsatzbeschluss vorbereitet wird, um den Bauturbo künftig systematisch für Wohnbauprojekte einzusetzen. Die Stadt geht davon aus, dass bis 2035 rund 21.000 neue Wohnungen benötigt werden, weshalb beschleunigte Verfahren dringend notwendig sind.
Praxisbeispiel Hamburg- Erwartungen treffen auf Umsetzungshürden
Hamburg gehört zu den Städten, die sich frühzeitig mit der Anwendung des Bauturbos befassen. Die Stadt Hamburg hat bereits eine Handreichung zur Anwendung des Wohnungsbau‑Turbos bereitgestellt, um Behörden und Projektbeteiligte in der Praxis zu unterstützen.
Trotz dieser Leitfäden zeigt die Realität eine deutlich zurückhaltende Umsetzung:
– Die Regelung ist technisch verfügbar, doch der tatsächliche Einsatz des „Turbos“ in konkreten Verfahren bleibt spürbar gering.
– In ersten Fällen wurden zahlreiche Anträge gestellt – bis heute wurden in manchen Bezirken noch keine Bauprojekte auf Basis des Bauturbos abgeschlossen oder genehmigt. Laut lokalen Berichten sollen mehrere Dutzend Wohnbauanträge liegen, die entweder abgelehnt wurden oder weiterhin in Prüfung stehen.
Diese Situation zeigt, dass der „Turbo“ nicht automatisch zu schnelleren Entscheidungen führt, wenn weiterhin Unsicherheiten in den Verfahren bestehen und Verwaltungsressourcen stark ausgelastet sind.
Stimmen aus der kommunalen Praxis
Der Bundesverband Integrales Bauen hat in den vergangenen Monaten mehrere Kommunen zum Umgang mit dem Bauturbo befragt.
Das Ergebnis fällt derzeit überwiegend kritisch aus:
– Viele Städte und Gemeinden sehen zwar die Chancen des Instruments.
– Gleichzeitig überwiegt jedoch die Sorge vor rechtlichen Risiken und möglichen Klageverfahren.
– Insbesondere kleinere und mittlere Kommunen fühlen sich häufig unsicher, wie weit sie die neuen Spielräume tatsächlich nutzen dürfen.
Diese Einschätzung deckt sich auch mit externen Analysen, nach denen zahlreiche Kommunen das Instrument derzeit eher vorsichtig prüfen als aktiv einsetzen.
Erfahrungen aus der Wohnraumförderung in der Region Hannover
Im Zuge der Neuaufstellung der Wohnraumförderung der Region Hannover waren verschiedene Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft und Planungspraxis beteiligt.
Als Geschäftsführer des Bundesverbandes Integrales Bauen e.V., habe ich im Austausch mit Fachleuten und regionalen Akteuren an der Weiterentwicklung der Förderstruktur mitwirken dürfen.
Aus dem Kreis der Beteiligten wurde dabei ein klarer Hinweis formuliert, der auch bundespolitisch relevant ist:
Der Bund muss die Kommunen stärker über die Möglichkeiten des Bauturbos informieren und ihnen mehr Sicherheit in der Anwendung geben.
Viele Kommunen nehmen den Bauturbo derzeit nicht als Chance wahr, sondern vor allem als juristisches Risiko. Die Angst, Fehler zu machen oder sich in langwierige Rechtsstreitigkeiten zu verstricken, führt dazu, dass vorhandene Handlungsspielräume oft ungenutzt bleiben.
Fazit: Der Bauturbo braucht mehr Rückenwind
Der Bauturbo kann ein wirkungsvolles Instrument sein, um den dringend benötigten Wohnungsbau zu beschleunigen.
Doch damit das gelingt, braucht es:
– mehr Information und Beratung für Kommunen,
– praxisnahe Leitfäden und Musterverfahren,
– Rechtssicherheit für Verwaltung und Planung,
– sowie eine aktive Kommunikation des Bundes über Chancen und Anwendungsmöglichkeiten.
Nur wenn Städte und Gemeinden die neuen Instrumente auch tatsächlich nutzen, kann der Bauturbo dazu beitragen, die Wohnungsbaukrise zu entschärfen.
Ihr Mitwirken
Als Geschäftsführer des Bundesverbandes habe ich die bisherigen Praxiserfahrungen bereits beim Städte- und Gemeindebund platziert.
Ich möchte Sie darum bitten, dass Sie mir Ihre Erfahrungen -gerne auch aus dem Netzwerk- zum Bauturbo mitteilen, so dass wir den Druck hier nochmals erhöhen können.
Mit besten Grüßen
Martin Jausch
Geschäftsführer
von mjausch | Apr. 2, 2025 | Mitgliederbeiträge, Öffentlich |
Bezahlbarer Wohnraum ist in Deutschland Mangelware – und auch die Region Hannover bildet da keine Ausnahme. Während die Baukosten steigen und herkömmliche Bauprozesse oft langwierig und teuer sind, setzt Eckhard Struß, Vorsitzender des Bundesverbandes Integrales Bauen e.V. und der nobis living AG, auf eine innovative Lösung. Mit einer eigens entwickelten Technik stellt er nachhaltige und energieeffiziente Wohnungen in Rekordzeit her. Unterstützung erhält er dabei vom BinBau-Mitglied Timo Mertesacker, CEO der Mertesacker Family Office GmbH, sowie der Sparkasse Hannover. Gemeinsam treiben sie eine Bauweise voran, die den Wohnungsmarkt revolutionieren könnte. Doch wie funktioniert diese Technik genau, und welche Rolle spielt der sogenannte „Wandmodultoaster“ dabei? Ein Blick auf ein Unternehmen, das die Baubranche verändern will.
Deutschlandweit mangelt es an bezahlbaren Neubauwohnungen – auch in der Region Hannover. Ein Bauingenieur aus Hemmingen baut mit einer innovativen Fertigungstechnik hochwertige, nachhaltige Wohnungen im Schnelldurchlauf. Mit an Bord: das Family Office von Ex-Nationalspieler Per Mertesacker und die Sparkasse Hannover.

Da stehen sie nun oben auf einem garagengroßen Ungetüm aus Metall: Timo Mertesacker und Eckhard Struß, der sich dieses besondere Gerät ausgedacht hat. Der Name ist Programm: Der „Wandmodultoaster“ hat zehn Schlitze für Wände, in die Beton gegossen wird – durch die Metalleinheiten dazwischen läuft warmes Wasser. Damit kann auch bei Frost gearbeitet werden, direkt auf der Baustelle. Dank der Technik kann Struß Mehrfamilienhäuser bauen, mit dem hohen Energiestandard KfW-40, in kurzer Zeit, zu geringeren Kosten – und mit einem Team von insgesamt nur acht Leuten.
Struß geht mit seiner Innovation die zentrale Herausforderung der Wohnungswirtschaft und eines der wichtigsten gesellschaftlichen Probleme an: schnell bezahlbaren Wohnraum in großen Mengen schaffen. Während etwa die Automobilindustrie ihre Produktivität in den vergangenen 30 Jahren praktisch verdoppelt hat, hat sie auf dem Bau stagniert. Ein Quadratmeter neugebauter Wohnraum in Hannover kostet heute nach Angaben des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen durchschnittlich fast 5.000 Euro pro Quadratmeter – Trend steigend. Und vom Ziel der Bundesregierung, pro Jahr 400.000 neue Wohnungen zu bauen, ist man in ganz Deutschland meilenweit entfernt. Mit der seriellen Fertigung soll sich das ändern.
Und hier kommt der Name Mertesacker ins Spiel: Per Mertesacker hat es aus Pattensen in die große Fußballwelt geschafft, ist als TV-Experte geschätzt und leitet im Hauptjob die Nachwuchsakademie die FC Arsenal in London. Sein Bruder Timo kümmert sich als CEO des Mertesacker Family Office (siehe Kasten) um die Entwicklung des Vermögens der Fußball-Ikone, mit einem unternehmerischen Schwerpunkt auf nachhaltigen Projekten und viel Verbundenheit zur Heimatregion.
Beton-Bauteile aus dem Toaster
Ein zentrales Thema ist der Bau von bezahlbarem, energetisch hochwertigem Wohnraum. Dafür hat sich Mertesacker mit Eckhard Struß zusammengetan und das gemeinsame Unternehmen Sturm & Drang gegründet. Den Wandmodultoaster, der dabei eine wichtige Rolle spielt, hat der Bauingenieur 2016 erfunden. Damals wollte Struß Wohnungen hochziehen, wo zuvor ein Supermarkt gestanden hatte. Doch die Fertigteilfabrik konnte nicht liefern. Das Projekt stand plötzlich auf der Kippe. „Ich bin niemand, der den Kopf in den Sand steckt“, sagt Struß. „Also habe einfach meine eigenen Wände gemacht“, erzählt der Bauingenieur. Er tüftelte ein paar Monate und hat dann mit seinem Unternehmen nobis Living aus Hemmingen das erste mobile Fertigteilwerk entwickelt. Drei Toaster sind aktuell im Einsatz, zwei weitere werden gerade gebaut. Insgesamt 520 Wohnungen hat Struß damit schon errichtet, darunter ein großes Studierendenwohnheim in Hildesheim.

CEO Timo Mertesacker (links) mit dem Firmenkundenberater der Sparkasse Hannover Lars Schröder
Die Sparkasse Hannover ist seit vielen Jahren Hausbank der Familie Mertesacker, des Family Office und der Per Mertesacker Stiftung, Eckhard Struß vertraut ebenfalls auf die Expertise der Sparkasse – und auch beim Gemeinschaftsunternehmen Sturm & Drang ist sie dabei. Im Hemminger Ortsteil Arnum baut die Firma im Tal der Büffel – der Landstrich heißt tatsächlich so – zehn Reihenhäuser mit je drei Wohneinheiten, mit einem Volumen von 7 Millionen Euro. Die Kaltmiete wird um die 13 Euro pro Quadratmeter betragen.
Einen Großteil des Projekts finanziert die Sparkasse Hannover, daneben kommen Förderdarlehen der KfW zum Einsatz, bei deren Vermittlung Großkundenbetreuer Lars Schröder unterstützt hat. Die Sparkasse Hannover setzt seit langem auf die Finanzierung von nachhaltigen Projekten, doch beim Thema serielles Bauern musste sich auch Lars Schröder erst einmal reinarbeiten und die Kollegen überzeugen, bis die Finanzierung stand. „Wir haben hier Immobilien mit Energieüberschuss und einer monatlichen Pauschale für Nebenkosten inklusive Strom und Wärme, das konnten wir in unseren Finanzierungsprogrammen gar nicht berechnen“, sagt der Berater aus dem UnternehmenskundenCenter der Sparkasse Hannover. Dass am Ende alles reibungslos funktioniert hat, schreibt Timo Mertesacker vor allem Lars Schröder zu: „Er geht den extra Meter – und schafft es immer auch, wie ein Unternehmer zu denken.“
Jede Menge Grundstücksangebote
Beim Besuch im Tal der Büffel Ende September wird gerade die Baugrube ausgehoben, auf dem Gelände von Struß‘ Unternehmen warten schon die getoasteten Wände, 60 Prozent des Betons besteht aus Recyclingmaterial, das beim Abriss des Postscheckamt in Hannovers City angefallen ist. In einem Jahr soll alles einzugsfertig sein. Sturm & Drang könnte schneller wachsen als es der Firmenname nahelegt. „Es ist verrückt: Wir kriegen von allen Seiten Grundstücke angeboten, keiner will mehr bauen“, sagt Timo Mertesacker. „Weil es für sie zu teuer ist – und sie lieber nach Förderung rufen, als Innovation zu nutzen“, sagt Eckhard Struß.
Die Firma könnte also bauen ohne Ende. Doch Sturm & Drang will erst einmal mit dem Projekt in Arnum zeigen, was möglich ist und organisch wachsen. Zwei weitere Projekte mit insgesamt 60 Wohnungen sind aktuell in Planung. Tüftler Struß kann sich zudem gut vorstellen, neben den eigenen Projekten andere Bauunternehmen zu beraten und Wandmodultoaster zu verkaufen. „Wir haben ein Riesenproblem mit fehlendem Wohnraum – da müssen alle aktiv werden,“ sagt er.
Quelle: Wände für die Wende – Der Blog der Sparkasse Hannover
Text: Gerd Schild
Fotos: Helge Krückeberg
von mjausch | März 24, 2025 | Mitgliederbeiträge, Öffentlich |
Die Bau- und Recyclingbranche steht vor großen Herausforderungen – und unsere Mitglieder setzen neue Maßstäbe. Mit großer Freude berichten wir über die Errichtung einer hochmodernen Recyclinganlage durch unser Mitglied die A&S Bodenwäsche GmbH, die einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Kreislaufwirtschaft leistet. Gleichzeitig hat unser Mitglied -die nobis Gruppe aus Laatzen- das Sozial- und Verwaltungsgebäude für dieses wegweisende Projekt gebaut.
Hochmoderne Recyclinganlage: Ressourcen effizient nutzen
Die A&S Bodenwäsche GmbH hat auf einer Fläche von 6.000 m² eine neue Halle mit Materialanlage und Maschinenhalle errichtet. Die beeindruckende 15 m hohe Anlage verfügt über eine 6 m hohe Anschüttwand, die als Winkelstütze auf einer Betonwand gegründet ist. Darauf ruht eine besonders widerstandsfähige, wasserundurchlässige 50 cm starke Stahlbetondecke.
In dieser Anlage werden kontaminierte Böden und Bauschutt, so wie Materialien aus verschiedenen Industriezweigen – Glas-, Zement- und Automobilindustrie – effizient verarbeitet. Die Materialien werden trockenmechanisch aufbereitet, zudem kommen Aktivkohle- und Nassaufbereitungstechniken zum Einsatz.
Das Ziel: belastete Rohstoffe gemäß der Baustoffersatzverordnung wiederverwendbar zu machen. So können bspw. wertvolle Sande wieder für Beton- oder Asphaltproduktionen genutzt werden.
Mit einer jährlichen Durchsatzleistung von 270.000 Tonnen (entspricht ca. 50 LKWs täglich) setzt A&S Bodenwäsche GmbH auf eine ressourcenschonende Wiederverwertung. Zusätzlich wird der bestehende Gleisanschluss ausgebaut, um den Transport weiter zu optimieren. Diese Anlage trifft den „Zahn der Zeit“: Immer häufiger werden Abfälle unsortiert entsorgt, obwohl bis zu 90 % der Materialien gar nicht belastet sind.
Die Realisierung dieser Anlage erforderte eine lange Genehmigungszeit von 5,5 Jahren, die größtenteils auf die Klärung umweltrechtlicher Aspekte zurückzuführen war.
Nachhaltiger Bau: Sozial- und Verwaltungsgebäude der nobis Gruppe aus Laatzen
Für den optimalen Betrieb der Anlage hat die nobis Gruppe aus Laatzen das zugehörige Sozial- und Verwaltungsgebäude errichtet – innerhalb einer rekordverdächtigen Bauzeit von nur 4 Monaten. Das 221 m² große Gebäude erstreckt sich über zwei Etagen und erfüllt höchste Effizienzstandards: Es wurde im KfW 40 EE-Standard gebaut und erreicht die Energieeffizienzklasse A.
Besonders hervorzuheben ist die Verarbeitung von Recyclingbeton, der zuvor von der A&S Betondemontage GmbH aufbereitet wurde.
Weitere Highlights der nachhaltigen Bauweise:
- Erstmalige Verwendung von Sandwichelementen auf dem Dach
- PUR/PIR-Dämmung für höchste Energieeffizienz
- Sichtbeton direkt aus dem Wandmodultoaster, ohne weitere Bearbeitung
- Brauchwasserwärmepumpe für Wärmerückgewinnung
Mit diesem Projekt zeigen unsere Mitglieder eindrucksvoll, wie innovative Bautechnologien und nachhaltige Kreislaufwirtschaft Hand in Hand gehen. Wir freuen uns, dass diese Vorzeigeanlage als Impulsgeber für ressourcenschonende Bauweisen und Materialverwertung dient.
Weitere Projektpartner aus dem Bundesverband Integrales Bauen e.V.:
– SV-Büro Förste, 39307 Genthin
– Bronk Handelsgesellschaft GmbH, 59073 Hamm
– CONSOLIS DW Systembau GmbH, 29640 Schneverdingen
– Grotjahn Baugesellschaft mbH, 30982 Pattensen

